Afterwork-Overnighter im Altmühltal

Ein Afterwork-Overnighter, also eine Fahrt mit Übernachtung und das direkt nach der Arbeit los, stand schon lange auf meiner Liste für Miko-Adventures.

Mit Familie bietet sich das leider nicht so wirklich oft an, da ich ohnehin regelmäßig beruflich pendel und nicht jeden Abend zuhause bin. Im Vorfeld zur Vorbereitung des Super-Grevets Mailand München ergab sich aber doch die Gelegenheit. Außerdem ist es ja wirklich sinnvoll das Equipment in so einer Tour vorab einmal zu testen. Terminlich passte es auch gut und so hatte ich die Strecke von Cadolzburg (nähe Fürth/Nürnberg) nach Augsburg vor mir, wo wir am Samstag Abend auf einem Geburtstag eingeladen waren.

Die direkte Strecke ist jetzt leider eigentlich zu kurz und wahrscheinlich auch permanent an der B2 lang, so dass ich einen Schlenker ins Altmühltal einbaute. Dort ist es landschaftlich schön und es gibt einen großen Vorteil: Im Altmühltal gibt es etliche Bootsanleger für die Wassersportler, an denen man zelten kann.

Oft gibt es sogar fließend Wasser, eine Feuerstelle und eine Toilette.

Eine Liste der Bootsanlegestellen findet ihr hier.

So plante ich mit einer Übernachtung in Gungolding. Das sind knapp 100km am ersten Tag nach der Arbeit und knapp 120 am zweiten Tag, dann sollte ich noch pünktlich zum Geburtstag ankommen.

Aber wie das so ist, wenn man plant, oft kommt es anders.

Pünktlich nach der Arbeit los und erstmal durch die fränkischen Feldern abschottern, ab und zu durch einen Wald und ein paar Höhenmeter sammeln. Einige umgekippte Bäume und Schiebepassagen durchs Unterholz, da die Wanderwege doch nicht mehr existieren. Klassische komoot – Tour.

Nix krasses, aber es kostet halt Zeit und man kann natürlich schlecht mit irgendwelchen Durchschnittsgeschwindigkeiten planen.

Kurz vor 8 schaffe ich es dann gerade noch so in einen Rewe zum resupply. Wir sind hier in Bayern, da macht jeder Supermarkt um 20 Uhr zu. Für bikepacker ist das in den anderen Bundesländern schon praktischer..

Meine ursprüngliche Idee dort noch einen Döner zu essen konnte ich auch abhaken. Die waren im Urlaub. Zeit und Lust mich in ein klassisches Restaurant oder Gasthaus zu setzen hatte ich allerdings auch nicht und so fuhr ich erstmal weiter.

Tatsächlich kehrte ich dann bei McDonalds in Greding ein. Da nichts mehr auf hatte und langsam die Dämmerung drohte. Ok, das ist jetzt keine gesunde Ernähung, aber besser als die Reste an einer Tankstelle. Außerdem konnte ich mich dort nochmal frisch machen und für die Nacht vorbereiten (Licht anstecken, wärmer anziehen, Refklektorband umschnallen etc).

Und dann ging es im Dunkeln weiter

So eine Nachtfahrt hat ja auch etwas eigenes. Der Weg wirkt irgendwie kleiner und alles ist so still. Links der Fluß, rechts die Felder. Überall sieht man Augen die im Dunkeln leuchten und hoffentlich springt nichts aus dem Gebüsch vors Rad.

Die Autos werden langsam weniger und ab und zu fährt man durch ein Dorf in dem die Zeit auch irgendwie still steht.

Leider hab ich kein schönes Foto nachts gemacht, sondern bin einfach durchgebolzt und hab die Ruhe genossen.

Gegen 22:30 komme ich dann in Gungolding an. Der Platz ist recht voll, eine Gruppe Jugendliche hat noch ein Feuer an und quasseln vor sich hin, am Fluss sitzt ein Pärchen und schaut aufs Wasser. Ich baue im Schein meiner Stirnlampe mein Zelt auf und versuche nicht alle mit meinem Lichtkegel zu nerven. Zähneputzen, Katzenwäsche und ab in den Schlafsack.

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In Gungolding sollte direkt ein Bäcker sein, also alles wieder einpacken und auf zum Frühstück.

Naja, womit ich garnicht geplant hatte, war, dass Maria Himmelfahrt war und tatsächlich alles zu hatte. Selbst der Bäcker. Zum Glück gab es einen kleinen ultramodernen Dorfladen, an dem man sich selbst bedienen konnte. Dort konnte ich mir zumindest eine Zimtschnecke reindrücken.

Naja im nächsten Ort wird schon ein Supermarkt sein, die werden ja an so einem spezifisch katholischen Feiertag wohl aufhaben – Kapitalismus sei Dank.

Leider nicht. Alles zu.

Das Altmühltal ist anscheinend katholisch.

Also setzte ich auf die nächste Tankstelle, die lag jedoch leider etwas abseits der Strecke. Direkt an der Altmühl ist halt mehr Natur und wenig Straße und Tankstellen.

Dann hatte ich also 1.5 Stunden quasi nüchtern drin und futterte belegte Brötchen bei einem Kaffee an der Tankstelle. Klassisches bikepackeing Leben.

Heute sollte es dann viel an der Altmühl und dann am Lech langgehen. Einfache Strecke, wenig technisch, wenig Höhenmeter.

Ungünstig war, dass alle gedachten resupply Möglichkeiten in den Dorfläden weggefallen sind und ich dann auf Tankstellen setzen musste. Und die waren nunmal etwas abseits der geplanten Route. Selbst Biergärten an der Altmühl hatten geschlossen.

Das Wochenende war auch eines der heißesten des Jahres und ich hatte tatsächlich unterschätzt, dass ich die komplette Zeit einfach durch die pralle Sonne fahre. Flussradweg halt.

Ein guter Tipp um die Trinkflaschen aufzufüllen sind Friedhöfe und die gibt es logischerweise in jedem Dorf. Dort konnte ich zumindest mein Wasser auffüllen. Dennoch hatte ich den Tag definitiv zu wenig getrunken. Vor allem mit der Vorbelastung, dass ich den Tag davor ja auch schon 6h geradelt bin.

Ich merke das immer deutlich, wenn ich zwar noch fahre, aber das Tempo gar nicht mehr zur gefühlten Anstrengung passt. Dann überprüfe ich immer den Reifendruck, ob die Bremse schleift und so weiter. Aber eigentlich fehlt mir einfach nur Energie und vor allem Wasser. Das unterschätze ich leider doch häufig.

Sehr nervig war leider auch, dass der Lechradweg ständig durch Baustellen gesperrt war. Dadurch musste man immer außenrum fahren, oder durchs Dickicht schieben. Beim ersten Mal noch witzig und „gehört ja mal dazu“, beim fünften Mal dann ätzend. Das bringt einfach den Flow raus.

Aber auch das geht vorbei und nach 120km kam ich dann in Augsburg auf der Feier an, tatsächlich zwei Stunden zu spät. Die Umwege fürs Frühstück, resupply an den Tankstellen und die Baustellen haben es mir versaut. Schneller fahren war aber auch nicht drin. War aber auch kein Beinbruch die Feier ging noch lang genug 😉

Fazit zur Tour

Ein Overnighter nach der Arbeit ist schon cool. Man bekommt den Kopf frei und ist direkt im Adventure-Modus. Das Altmühltal ist echt schön und eignet sich gut fürs bikepacking. In der Vorbereitung muss ich beim nächsten Mal auch auf Feiertage achten, dann wäre es eigentlich eine ziemlich perfekte Tour geworden. Ich sollte definitiv mehr Energie und auch Wasser zuführen, das ist bei so langen Touren schon immer ein Knackpunkt.

Das Equipment hat tadellos funktioniert, das meiste ist aber auch gut eingespielt und man braucht ja auch nicht viel. Ich hatte tatsächlich auch gepackt wie ich es für das Super-Grevet vorhatte und dementsprechend deutlich zu viel mit.

Ich werde definitiv versuchen mehr Overnighter dieser Art noch einzuplanen. Die sind einfach gut fürs Seelenheil.

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