Bikepacking in der Heimat
Einen Orbit – den wollten wir auch mal fahren. Die legendäre Gravelserie wurde ja quasi 2020 mit Beginn von Corona gestartet und wird seit dem jedes Jahr neu aufgelegt.
Da wir seit Sommer 2021 sehr damit beschäftigt waren Eltern zu sein, rückten sportlichte Events und vorallem solche langen Geschichten eher in den Hintergrund. Grund genug also, das endlich mal in Angriff zu nehmen. Zufällig hatten wir auch ca. 10 jähriges Beziehungsjubiläum und waren auch noch bei meinen Eltern in der Heimat, dann bietet sich der Orbit im Weserbergland als perfekte Pärchen – Date – Night ja quasi von selbst an.
Dan Miessen von ENJOYYOURBIKE hat hier eine wirklich geile Orbit Strecke gescoutet und die hat es wirklich in sich.
So herausfordernd kannte ich meine alte Heimat garnicht.

Auf knapp 250km kommen hier 4000hm zusammen, Messungen anderer Teilnehmer kommen teilweise auf 4500 bis 5000hm. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte, spielt aber auch kaum eine Rolle – es geht auf jeden Fall sehr oft hoch und runter.
Unsere eigene Messung war leider wenig aussagekräftig, da mein Garmin sehr oft im Auto-Pause Modus war, weil ich stellenweise echt unfassbar langsam bergauf unterwegs war..
Wir sind den Orbit allerdings nicht in Barsinghausen gestartet, sondern direkt vor der Haustür meiner Ellis in Bückeburg, also kam noch etwas An- und Abreise dazu, aber wenn man so dicht dran wohnt, dann fährt man ja nicht mit dem Auto an die Strecke.

Wir fuhren also erstmal Richtung Bückeberg, die ersten Höhenmeter einsammeln, bevor das erste Flachstück ans Steinhuder Meer folgte. Da wir am 22. & 23. Juni unterwegs waren, hatten wir zudem die wahrscheinlich heißesten Tage des Jahres erwischt und die flachen km durch die Felder sind zwar eigentlich nicht besonders antrengend, dafür knallt einem aber die Sonne auf den Helm.

Von dort ging es Richtung Deister und damit man dort dann ausreichend Höhenmetern sammeln kann, ging es dort eigtl ständig links und rechts vom Kamm wieder runter und hoch.
Man sieht eigentlich schon die Wanderschilder Richtung Springe (5km…) fährt aber doch so einige Umwege und ständig rauf/runter dass es dann 15km sind und man dafür 1.5h braucht…
In Springe dann erneut resupply, beziehungsweise mal eine echte Pizza und noch bevor es dunkel wird schnell durch den Saupark (Naturschutzgebiet). Kaum im Saupark lief uns auch direkt ein Wildschwein über den Weg. Der Saupark macht seinem Namen also alle Ehre.
Kurz hinterm Saupark schlugen wir dann unser Lager an einem der vielen Windräder auf (dort war es flach und man stört ja auch keinen) und lauschten dem whoosh whoosh beim einschlafen. Der erste Tag waren dann 145km mit theoretischen 2000+ hm.
Unser kleines Zelt (Naturehike Cloud2) war auf jeden Fall top und für uns als Pärchen ausreichend klein, aber dafür umso kuschliger.

Anscheinend war es aber zu kuschlig und so haben wir quasi verschlafen. Wir dachten wir werden von den ersten Sonnenstrahlen geweckt, tatsächlich sind wir aber erst um 7:30 aufgewacht… Nächster Stopp dann beim Bäcker in Coppenbrügge und vollgefuttert ab in den Ith – Höhenmetern sammeln.
Den Ith kannte ich eigentlich nur aus meiner Zivi-Zeit – da war dort nämlich ein einwöchiger Lehrgang (der für uns hauptsächlich aus Party bestand…)
Nach dem Ith folgte noch ein Ausläufer des Wesergebirges – der Vogler – bis wir endlich an die Weser und nach Bodenwerder kamen für unseren Mittagssnack. Der Großteil der Höhenmeter für den Tag hatten wir dann schon auf dem ersten Drittel weggeackert und dementsprechend dringlich war auch eine Pause und was zu futtern.

Nach Bodenwerder geht es über den Weserradweg immer flach weiter Richtung Ziel. Zudem sieht man permanent das stillgelegte AKW in Grohnde (bzw. die Kühltürme). Allerdings bei wenig Schatten und die Sonne knallt weiter auf uns runter.
Kurz vor Hameln (schade eigtl, dass die Strecke dort nicht durch führt) geht es dann nochmal nach links ab in die Felder und auf irgendeinen Hügel vom Weserbergland, weitere Höhenmeter sammeln. Bei Hessisch-Oldendorf dann über die Weser und nochmal rein ins Wesergebirge den finalen Anstieg bis zur Schaumburg hoch, dem Wahrzeichen des Landkreises. Für uns bedeutete das aber hauptsächlich, dass wir es fast geschafft hatten und nur noch 15km nach Hause radeln müssen – was ganz gut war, denn die Sonne war schon dabei unterzugehen und färbte den Himmel rot.

Nach 2 Tagen und ca. 20h Fahrzeit für 276km und roundabout 4000hm in Summe hatten wir dann unseren ersten Orbit beendet.
Kann man das anderen Leuten für eine Date-Night zum Jubiläum empfehlen?
Eher nicht, anderen Radbekloppten aber schon.
Auch wenn ich hier aufgewachsen bin, so war es doch eine ganz schöne Klatsche Heimatkunde.
Wir werden den Orbit auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten.

