Für den Sommer stand das Super Grevet Mailand München mit 800km und 14000hm bikepacking auf dem Plan. Aber warum gerade das? Nun es passte terminlich gut, ans Ende der Saison, man konnte gut mit dem Zug nach Mailand anreisen und im Ziel ist man schon fast zuhause.
Praktischerweise waren wir auch noch auf einer Hochzeit am Ankunftswochenende nähe München eingeladen, also perfekt.
Im Vorfeld werden 4 Vorbereitungsgrevets pro Region angeboten und zumindest die bayrischen hätten eigentlich für mich gut gepasst, aber leider hat das von den Terminen nicht hingehauen, so dass ich/wir einfach die ein oder längere Runde gefahren sind (Orbit Weserbergland, Die Strecke vom Bodensee-Gravel Giro) und 2 Wochen vor Start noch einen Solo-Afterwork-Overnighter (Beitrag folgt) zum Equipment Check.
Die Route geht jedoch nicht auf dem direkten Weg nach München, sondern sollte von Mailand aus westlich am Gardasee vorbei gehen und in Südtirol noch eine Schleife drehen und dann über den Brenner nach München führen. Den finalen Track gab es erst einige Tage vor dem Event und ich klickte mir die Route so grob vorab bei komoot zusammen.
Jedoch kam ich nur auf ~700km und 8000hm… Der finale Track sollte also noch die ein oder andere Überraschung für uns bereithalten.
Ich fuhr das Event im „Adventure“ bikepacking Stil. Also mit einem Drop-Bar MTB, meinem Salsa Fargo, mit 2.25 Zoll Reifen + Zelt, Isomatte, Schlafsack für die Berge etc. Also eigentlich so, dass man möglichst autark unterwegs ist und es auch keine große Rolle spielt, ob man 5 Tage oder 5 Wochen unterwegs ist.
Ein Tag vor Start war der Race-Check-In auf einem Agritourismo südlich von Mailand und ich war der einzige der so unterwegs war 😉 Der einzige mit einem Stahl-Rad, der einzige mit MTB-Reifen und der einzige mit Zelt. Alle anderen waren eher mit leichterem Gepäck und flotteren Setups unterwegs. Aber gut, es fährt ja ohnehin jeder sein eigenes Ding und mir war schon klar, dass ich auf den flachen Stücken dann etwas mehr leiden muss.
Freitag stand noch ein shakeout Ride auf dem Plan, bei dem wir uns dann etwas kennenlernen hätten können, der ist allerdings wegen Dauerregen und Gewitter ins Wasser gefallen. So wurden nur die schnell die Tracker verteilt und ein bisschen gequatscht und am Samstag um 10 sollte es dann an der Porta Romana losgehen.
Tim (der Veranstalter) meinte noch, das in Trento der nächste Decathlon ist, falls jemand etwas vergessen hat. Ok, das wären knapp 300km, hoffentlich hat keiner seinen Schlafsack vergessen..
Tag 1 – Der Start
Am Start standen dann 16 Teilnehmer, einige hatte im Vorfeld noch abgesagt und manche anscheinend auch keine ärztliche Fitnessbescheinigung mehr bekommen, so dass es ein recht kleines Feld war.



Der Start aus Mailand raus war dann sozusagen neutralisiert und wir sind gemeinsam in Gruppe aus der Stadt gefahren und je ländlicher es wurde, um so höher wurde das Tempo und das Feld zog sich auseinander.
Bis Brescia (ca 100km) ging es relativ flach über Feldwege und durch Pfützen daher, perfekt zum eingrooven bevor es dann in die Berge gehen sollte.
Ab und an konnte man noch den ein oder anderen Teilnehmer im eher hinteren Teil des Feldes sehen, aber wie gesagt, es fährt jeder so sein Tempo. An einer kleinen Brücke entstand dann ein Nadelöhr und wir haben uns dann wieder gesehen und uns kurz ausgetauscht.
Felix von den zwei Münchnern ist ein Strap aber der Arschrakete gerissen und er hatte das Ding provisorisch auf den Aerobars wieder festgeschnürrt. Praktischerweise hatte ich noch einen Spanngurt eingepackt und konnte aushelfen.


Erstes Tagesziel war Storo nörlich vom Lago d’Idro, doch bis dahin ging es dann noch gut hoch und schön durch den Wald bei Steigungen bis über 20%. Allerdings begann es dort schon zu dämmern und in der Dunkelheit und bei den Steigungen war ohnehin schieben angesagt.
Bis zum Lago kam ich an dem Tag nicht mehr, zum einkaufen war es leider auch schon zu spät, so dass ich abseits des Flusswegs zum Lago auf einem Spielplatz um 22:30 mein Zelt aufschlug. (Tatsächlich war ich noch 5km weiter gefahren, es kam aber kein guter Spot zum campen mehr und ich bin wieder umgedreht..)
Laut dem Tracker war ich zwischendurch auf dem hintersten Platz, ich wollte zwar garnicht competitiv unterwegs sein, aber irgendwie macht man sich dann doch Druck. Da ich aber länger gefahren bin, war ich wieder 2-3 Plätze weiter vorne und würde dann beim Zeltabbau von Felix und Flo aus München überholt.


Wir hatten an der Brücke noch gewitztelt, dass wir uns zum Pizza essen abends in Storo bestimmt wiedersehen, aber die langsamere Truppe hatte Storo den Abend garnicht mehr erreicht.
Tag 2
Abends hatte ich nichts mehr zum einkaufen für den resupply finden können und dementsprechend gab es zum Abendbrot ein paar Reste und zum Frühstück nur einen Müsliriegel, also wurde im ersten Dorf der Bäcker überfallen und danach ging es recht entspannt am Lago d’Idro entlang.



Nach Storo ging es dann direkt in den ersten Anstieg des Tages hinter der Kirche, steil, extrem grobe Steine als eine Art Pflaster und dann einfach die Waldwege und kleinere Trails hoch.
Die Abfahrt über die Ponale nach Riva runter war dann top und sehr entschädigend für den Aufstieg. In Riva wollte ich dann mal was richtiges essen und traf zufällig auf Felix und Flo aus München. Sie erzählten mir, dass einige schon ausgesteigen sind und auch sie anders fahren werden. Die ersten Anstiege waren einfach zu trailig für ihre Räder.



In Riva traf ich zufällig auf Flo und Felix, beide hatten beschlossen den Track zu verlassen und ihr eigenes Ding nach München zu fahren. Beide waren nicht auf so ruppige Passagen eingestellt und irgendwie soll das ja auch Urlaub sein und Spaß machen. Ich konnte das schon auch nachvollziehen wollte aber noch dem Track weiter folgen. Mein eventueller Exit Punkt wäre Bruneck, dann hätte ich die Klammljoch-Schleife ausgelassen und dadurch einen Tag gespart. Falls ich terminlich nicht hinkommen würde.
Es war schon ziemlich spät und um Riva ist es auch recht stark besiedelt, also buchte ich eine Unterkunt in Rovoreto, da sollte ich noch vor der Dunkelheit ankommen. Leider war die Unterkunft 250hm und 12km abseits vom Etsch-Radweg wo der Track langführte und es ging auch nochmal ca. 200hm aus Riva raus, so dass es doch recht spät wurde und ich wieder durch die Dunkelheit düste.
Aber irgendwie hatte ich in der Dämmerung und mit was zu essen im Bauch dann doch wieder Energie und flog nur so in die Nacht.



Tag 3
Am nächsten Tag ging es dann 2 Stunden weiter an der Etsch nach Trento, dort kurz resupply und dann ab in die Weinberge in der Mittagshitze. Es wäre besser gewesen ich wäre etwas früher gestartet, aber so ein richtiges Bett war dann doch zu gemütlich.
In den Weinbergen ging es dann recht steil bergauf und irgendwann in den Wald hinein. Es war wieder eine Mischung aus Schieben und ab und zu Fahren, teilweise war es zu steil, teilweise zu trailig.
Auf der Strecke zum Gipfel waren 2 Brunnen eingezeichnet, welche ich ansteuern wollte, leider waren beide trocken und so langsam gingen meine Getränke leer und es war langsam schon 16 / 17 Uhr. Ich war dann so sauer und so energielos, dass ich noch vor dem Gipfel dann rechts abfuhr und auf halber Höhe zum Tal den nächsten Brunnen ansteuerte. Der war zum Glück nicht trocken. Nachdem ich den Brunnen dann ausgesoffen hatte ging es mir langsam besser und ich konnte auch wieder den ein oder anderen Müsliriegel verdrücken. So richtig fit war ich aber immernoch nicht und ich saß dann 20-30 Minuten auf der Bank neben dem Brunnen und habe in die Landschaft geguckt und versucht wieder klar zu kommen.



Irgendwann entschloss ich mich auf halber Höhe weiter zu fahren. Ich hatte definitiv keinen Bock wieder hoch zum Track zu fahren, nur um den Gipfel noch abzuhaken und wieder durch den Wald zu schieben. Also rollte ich auf der Straße in den nächsten Ort und meckerte innerlich vor mich hin. Ich hatte so wenig Power, dass ich dachte meine Bremse schleift und ich sogar mehrfach kontrolliert habe, ob die Räder noch frei drehen. Irgendwann kam aber die Flüssigkeit langsam in den Zellen an und mein Energielevel und meine Laune verbesserte sich dann doch wieder.
Um 20 Uhr saß ich dann am nächsten Brunnen und schaute nach Möglichkeiten zum Zelten, entschied mich dann aber doch für ein Agritourismo um mich etwas mehr zu erholen. Durch den Flüssigkeitsmangel dröhnte mir ganz schön der Schädel. Das lag aber natürlich wieder aufm Berg und so fuhr ich dort mal wieder im Dunkeln um halb zehn ein. Nun war ich passenderweise wieder auf der Höhe des Originaltracks.
Nach dem mentalen Loch frühstückte ich erstmal ausgiebig und rollte dann wieder auf den Originaltrack um direkt mit 2h bike+hike belohnt zu werden. Keine Ahnung wo der Tim diese Trails ausgräbt, aber das ist morgens schon etwas ernüchternd, aber irgendwann war auch das geschafft und ich rollte Richtung Passo Pardoi um im letzten Dorf vor dem Pass noch eine Pizza zu essen und alles aufzufüllen.



Ich war mental echt kurz davor abzubrechen und einfach auf dem einfachsten Weg nach Hause zu radeln. Erst beim Essen merkte ich, wieviel Hunger ich eigentlich hatte und nahm mir ausreichend Zeit zu essen und zu trinken. Abbrechen ist natürlich immer irgendwie scheiße, aber wenn das in dem Tempo weitergeht, dann brauche ich zwei Wochen und komme niemals rechtzeitig nach München. Andererseits kommt jetzt natürlich der schönste Teil mit den Dolomiten und Südtirol.
Lief es gestern jetzt so schlecht, weil ich platt war, oder hatte ich doch einfach zu wenig gegessen und getrunken? Da ich den Tag immernoch leichte Kopfschmerzen hatte, gehe ich mal davon aus, dass ich ein wenig dehydriert war und demnach die Leistung und auch die Laune massiv eingebrochen ist.
Wie die folgenden Tage verliefen lest ihr im zweiten Teil.
Ein Resumee findet ihr im dritten Teil.
