800 Kilometer mit dem Rad, dazu ordentlich Höhenmeter, wenig Schlaf und irgendwann die Frage, warum man sich das eigentlich freiwillig antut. Wer sich schon einmal auf eine längere Bikepacking-Tour eingelassen hat, kennt zumindest die Richtung, in die solche Gedanken gehen.
Bei mir liegen zwischen einer entspannten Radreise mit Kindern und einer langen, ziemlich sportlichen Tour manchmal nur ein paar Wochen. Das Material ist teilweise ähnlich. Die Herangehensweise eher nicht. Genau deshalb fand ich den Ansatz von Stefan Barths Buch Ultracycling & Bikepacking – Alles, was du wissen musst interessant.
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Was steckt drin?
Das Buch ist weniger Reiseführer und mehr Handbuch für lange Tage im Sattel. Stefan Barth nähert sich dem Thema über drei Schwerpunkte: Ausdauer, Effizienz und Strategie. Es geht unter anderem um Training, Ernährung, Regeneration, Sitzbeschwerden, Schlafmangel und die Frage, wie man seine Kräfte über viele Stunden oder sogar Tage einteilt.
Das klingt erstmal ziemlich technisch. Ist es stellenweise auch. Aber genau das finde ich bei diesem Thema sinnvoll. Denn wenn nach zehn Stunden die Beine noch halbwegs funktionieren, heißt das leider nicht automatisch, dass Rücken, Hände, Magen und Kopf ebenfalls mitspielen.

Ausdauer ist nicht alles
Was ich bei Langstrecken besonders spannend finde: Es geht nicht nur darum, wie schnell man Rad fahren kann. Pausen, Essen, Schlafen, Ausrüstung und die Streckenwahl machen irgendwann mindestens genauso viel aus.
Gerade beim Essen habe ich auf langen Touren schon gemerkt, wie schnell eine vermeintlich gute Planung danebenliegen kann. Zu wenig Energie, ein steiler Anstieg zur falschen Zeit, und plötzlich wird aus einer gut laufenden Tour eine ziemlich zähe Angelegenheit. Mit zwei Kinderanhängern auf einer tropischen Bergstraße braucht man dafür übrigens keine 300 Kilometer.
Barths sportwissenschaftlicher Blick hilft, solche Dinge besser einzuordnen. Dazu kommen Erfahrungen aus Interviews mit Langstreckenfahrern wie Christoph Strasser, Lael Wilcox, James M. Hayden und Jenny Tough. Interessant finde ich vor allem, dass es eben nicht die eine richtige Strategie gibt. Was bei einem Unsupported-Rennen funktioniert, muss für eine Radreise nicht automatisch sinnvoll sein.

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Für wen ist das Buch interessant?
Wer gerade seine erste Wochenendtour mit dem Zelt plant und hauptsächlich wissen will, welche Tasche an welchen Rahmen passt, wird hier vermutlich nicht auf jede Frage die passende Antwort finden. Dafür gibt es andere, stärker auf Ausrüstung und Reiseorganisation ausgerichtete Bücher und Blogs.
Wer dagegen längere Strecken fahren möchte, sich für Brevets, Unsupported-Rennen oder mehrtägige sportliche Bikepacking-Touren interessiert, dürfte einiges mitnehmen. Auch erfahrene Radfahrer können bei Themen wie Belastungssteuerung, Ernährung oder Schlafstrategie noch ein bisschen an ihren Routinen schrauben.
Ich mag an dem Ansatz, dass nicht alles auf Geschwindigkeit reduziert wird. Natürlich geht es bei Ultracycling oft um Zeiten und Platzierungen. Aber bei einem Abenteuer mit Gepäck möchte ich manchmal auch einfach nur ankommen, das Zelt aufbauen und am nächsten Morgen weiterfahren. Und das ist genauso in Ordnung.

Mein Fazit
Ultracycling & Bikepacking ist aus meiner Sicht vor allem für die Leute interessant, die nach den ersten langen Touren genauer verstehen wollen, warum manche Dinge gut laufen und andere eben nicht. Es ist kein Buch, das einem die nächste Tour abnimmt. Aber eines, das dabei helfen kann, ein paar Fehler nicht immer wieder zu machen.
Und für mich ist das eigentlich schon ein ziemlich guter Grund, mich mit einem Ratgeber zu beschäftigen. Das nächste Abenteuer kommt bestimmt. Ob mit möglichst wenig Gepäck oder mit Anhänger und dem halben Hausstand, wird sich zeigen. 😉
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Fotos: Heavyweight Bikepacking / eigene Costa-Rica-Tour. Buchangaben und Themen anhand der Verlags-/Anbieterbeschreibung abgeglichen.
