Was ist eigentlich Bikepacking – und warum macht es so viel Spaß?

Was ist eigentlich Bikepacking? Eine berechtigte Frage. Vor allem, wenn man sich anschaut, was inzwischen alles darunter läuft: vom Gravelbike mit Zahnbürste in der Rahmentasche bis zum voll beladenen Stahl-MTB mit Zelt, zwei Kindern und Anhängern. Ich würde sagen: Wir bewegen uns eher am zweiten Ende dieser Skala.

Bikepacking – Radfahren mit eingebautem Abenteuer

Die einfache Definition: Bikepacking ist Reisen mit dem Fahrrad, meist mit möglichst kompakt verstautem Gepäck und gerne abseits der großen Straßen. Man fährt los, hat das Nötigste dabei und schaut, was unterwegs passiert. Das kann eine Nacht im Wald sein, eine Woche durch die Alpen oder acht Wochen Costa Rica mit der Familie. Die Taschenform ist dabei für mich ziemlich nebensächlich.

Entscheidend ist dieses Gefühl: Heute muss ich nicht mehr nach Hause. Ich kann hinter der nächsten Kurve weiterfahren, irgendwo mein Zelt aufbauen oder spontan doch noch ein paar Kilometer dranhängen. Vorausgesetzt natürlich, die Beine und die Mitreisenden spielen mit.

Bikepacking vs. Gravelbiken: Wo liegt der Unterschied?

Gravelpiste Richtung Montezuma
Gravelpiste Richtung Montezuma

Gravelbiken ist zunächst einmal eine Art Rad zu fahren: Schotter, Waldwege, Nebenstraßen, möglichst wenig Autoverkehr. Dafür braucht man nicht einmal zwingend ein Gravelbike. Nach drei Stunden ist man wieder zu Hause, duscht und öffnet den Kühlschrank. Eine ziemlich gute Sache.

Beim Bikepacking kommt das Unterwegssein dazu. Aus einer schönen Runde wird eine Reise. Manchmal mit Gravelbike, manchmal mit Mountainbike, manchmal mit einem Rad, das samt Gepäck eher an einen Kleintransporter erinnert. Graveln und Bikepacking schließen sich also nicht aus. Im Gegenteil: Sie passen hervorragend zusammen.

Ultra-Events: Wenn aus Abenteuer eine ziemlich lange To-do-Liste wird

Unterwegs beim Super-Grevet Mailand–München
Unterwegs beim Super-Grevet Mailand–München
Unterwegs beim Super-Grevet Mailand–München
Unterwegs beim Super-Grevet Mailand–München

Und dann gibt es noch die Ultra-Fraktion. Mehrere hundert Kilometer, reichlich Höhenmeter, wenig Schlaf und die Frage, warum man sich das eigentlich freiwillig antut. Ich kenne das von meinem Super-Grevet Mailand–München. Irgendwann zählt nicht mehr nur die schöne Aussicht, sondern auch, ob man die nächste Bäckerei oder den Supermarkt noch vor Ladenschluss erreicht.

Ultra-Distance-Events können Bikepacking sein, müssen es aber nicht. Manche fahren mit Schlafsack und Zelt, andere fast ohne Gepäck und schlafen in Unterkünften. Der Unterschied liegt eher im Schwerpunkt: Beim Ultra geht es oft darum, eine vorgegebene Strecke innerhalb einer Zeit zu bewältigen. Beim Bikepacking darf der Weg auch einfach das Ziel sein. Und die Eisdiele ein völlig legitimer Grund für einen Umweg.

Ist das nicht einfach Radreisen mit anderem Namen?

Ein bisschen schon. Klassische Radreisen gibt es schließlich deutlich länger als das Wort Bikepacking. Reiserad, Gepäckträger, vier Packtaschen, Campingkocher – damit kommt man wunderbar um die Welt. Bikepacking wird häufig mit leichteren Taschen direkt am Rahmen, sportlicheren Rädern und ruppigeren Wegen verbunden. Aber die Grenzen sind fließend. Einen englischsprachigen Überblick über die Unterschiede zwischen Bikepacking und klassischem Radreisen bietet die Adventure Cycling Association.

Spätestens mit zwei Kinderanhängern wird die Diskussion über Minimalismus ohnehin etwas absurd. Wer schon einmal versucht hat, Kinderspielzeug, Windeln, Zelt und die obligatorischen Snacks ultraleicht zu verpacken, weiß, was ich meine. Für mich ist auch das Bikepacking. Vielleicht eben Heavyweight Bikepacking.

Warum macht das Ganze so verdammt viel Spaß?

Anhänger durch den Fluss tragen
Anhänger durch den Fluss tragen

Weil man wieder merkt, wie wenig es eigentlich braucht. Ein Fahrrad, etwas Zeit und die Neugier, was hinter dem nächsten Hügel liegt. Man ist draußen, erlebt Wetter statt Wetterbericht und lernt unterwegs Menschen kennen, denen man sonst nie begegnet wäre.

Natürlich ist nicht immer alles romantisch. Es gibt Gegenwind, steile Rampen, kaputte Teile und Momente, in denen man sich ernsthaft fragt, ob die Routenplanung unter Alkoholeinfluss entstanden ist. Auf unserer Bikepacking-Reise mit Kindern durch Costa Rica haben wir Fahrräder geschoben, Anhänger durch Flüsse getragen und uns über Steigungen geärgert. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – bleiben genau diese Tage hängen.

Beim Bikepacking ist man nicht bloß auf dem Weg zum Erlebnis. Der Weg ist das Erlebnis. Eine improvisierte Mittagspause, ein Sonnenaufgang vor dem Zelt, ein unerwartet schöner Schotterweg. Oder die Kinder, die einen Tag später begeistert von etwas erzählen, das man selbst im ersten Moment eher als mittlere Katastrophe eingeordnet hatte.

Was braucht man zum Bikepacking? Die einfache Packliste

Die gute Nachricht: Für den Einstieg braucht man weder ein sündhaft teures Gravelbike noch eine komplette Sammlung ultraleichter Taschen. Ein verkehrssicheres Fahrrad, ein bisschen Gepäck und Lust auf eine Nacht draußen reichen oft schon. Wer erst einmal ausprobieren will, ob Bikepacking überhaupt etwas für ihn ist, startet am besten mit einem kurzen Overnighter statt mit einer Alpenüberquerung.

Die wichtigsten Dinge für deine erste Bikepacking-Tour

  • Fahrrad: Gravelbike, Mountainbike, Trekkingrad oder das Rad, das ohnehin in der Garage steht – Hauptsache, es funktioniert zuverlässig.
  • Gepäck: Rahmentasche, Satteltasche, Lenkerrolle oder vorhandene Packtaschen. Wasserdicht verpacken ist wichtiger als die angesagteste Marke.
  • Schlafen: Zelt, Biwaksack oder eine feste Unterkunft. Wer draußen übernachtet, sollte sich vorher über die örtlichen Regeln informieren.
  • Unterwegs: Wasser, Snacks, wetterfeste Kleidung, Licht, Navigation und ein kleines Reparaturset.
  • Mit Kindern: Noch mehr Snacks, realistische Tagesetappen und die Bereitschaft, einen Plan auch mal über Bord zu werfen.

Mein Tipp: Lieber mit einer überschaubaren Tour anfangen. Wie so ein kleines Abenteuer aussehen kann, zeige ich beim Afterwork-Overnighter im Altmühltal. Und wer mit Zelt unterwegs ist, findet bei meinen Tipps zum Wildzelten und Biwakieren weitere Hinweise.

Mein Fazit: Hauptsache losfahren

Improvisierte Anhängerreparatur
Improvisierte Anhängerreparatur

Ob Gravelrunde mit Übernachtung, klassischer Radurlaub, Solo-Abenteuer oder Ultra-Event: Ich finde, wir müssen daraus keine Glaubensfrage machen. Wer draußen unterwegs ist, seine Sachen auf dem Rad mitnimmt und offen für das Ungeplante bleibt, hat den Kern ziemlich gut getroffen.

Und wer dafür zwei Kinderanhänger braucht, bekommt von mir jedenfalls keinen Punktabzug. Eher Respekt – und vielleicht eine zusätzliche Portion Eis.

Wie seht ihr das? Wo hört für euch eine Radtour auf und wo fängt Bikepacking an?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Rudi

    Schwierige Frage…
    Bikepacking beginnt bei mir schon bei einer 2-tägigen Tour, denn da habe ich sicherheitshalber schon mein Topstone mit den dicken Reifen unter dem Popsch und kann – wenn ich irgendwas besonderes sehe – gleich in den Wald / auf den Schotter / ??? abbiegen…

    1. Avatar-Foto
      bobo

      klar die grenzen sind fließend. Es beginnt wahrscheinlich einfach wenn man mit dem Rad losfährt und endet bei der mehrjähirgen Weltreise

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