Costa Rica mit Kindern und Fahrrädern Teil I

24 Stunden Anreise, 17 % Steigung und eine Tour de Schwitz

Acht Wochen Costa Rica. Zwei Knirpse, zwei Räder, ein Kinderanhänger, ein Lastenanhänger und gefühlt der halbe Hausstand. Also eigentlich alles, was man für einen entspannten Urlaub so braucht. 😉

Die Idee war erstmal simpel: deutschen Winter gegen Tropen tauschen und wie früher mit dem Rad durch ein fremdes Land ziehen. Nur diesmal eben mit Emil und Oskar im Gepäck. So eine achtwöchige Radreise mit Kindern kann man schon machen. Man muss sich nur von ein paar Dingen verabschieden: Durchschnittsgeschwindigkeiten, festen Tagesplänen und der Vorstellung, dass bergauf irgendwann automatisch Spaß macht.

Tag 1 – Erstmal den halben Hausstand nach Zürich karren

Die erste Etappe hatte mit Radfahren noch gar nichts zu tun. Ich bin am Vortag mit dem Auto nach Zürich, um unseren kompletten Krempel am Flughafen abzugeben. Alles ins Auto zu bekommen war schon die erste Herausforderung. Da wurde mit dem Meterstab hantiert und ziemlich viel umgepackt. Zwei Räder, die Hänger und Campingzeug für acht Wochen. Ultraleicht geht anders.

Zwei beladene Reiseräder mit Kinderanhänger und Gepäck bei der Costa-Rica-Anreise
Unsere Räder samt Anhänger und Gepäck – das Familienabenteuer kann beginnen.

Am nächsten Morgen ging es für uns dann mit Zug, Fähre und nochmal Zug zum Flughafen. Die Kids fanden das super. Am Airport gab es auch noch die unterirdische Skymetro zum Gate. Eigentlich hätten wir danach schon den ersten Reisetag abhaken können.

Der Flug lief zum Glück ziemlich entspannt. Kaum Turbulenzen, und wenn es doch mal hopste, fand Oskar das klasse. Der war ohnehin mit Bordunterhaltung und Peppa Pig auf Papas Tablet gut beschäftigt und schlief sogar irgendwann. Emil dagegen hatte Hummeln im Hintern. Alles spannend, alles angucken, ständig laufen. Schlafen? Nö.

Nach der Landung durften wir am Flughafen erstmal Räder und Hänger zusammenschrauben. Das lief erstaunlich gut und ohne Defekte durch zu rabiates Boardpersonal. Emil setzte sich gleich freiwillig in den Hänger und holte seinen Schlaf nach. Dann noch fünf Kilometer auf fremden Straßen zur Unterkunft. Die hatten direkt mehr Höhenmeter als gedacht, sodass wir auch noch schön durchgeschwitzt ankamen. Insgesamt rund 24 Stunden Anreise. Gegen 22 Uhr waren wir endlich da.

Duschen und pennen. Zumindest der Plan. Um drei Uhr morgens waren die Kids wieder wach. In Deutschland war es ja schon zehn. Wir haben sie mit viel Reden und wenig Schlaf noch bis ungefähr sechs im Bett gehalten. Jetlag mit Kindern ist auch ein schöne Erfahrung.

Tag 2 – Gaskartuschen-Schnitzeljagd in Alajuela

Nach der kurzen Nacht ging es nach Alajuela rein. Erstmal Frühstück in einem Soda, also einem der kleinen lokalen Restaurants. Für unglaubliche 15 Euro wurden wir alle satt. Simone sogar so satt, dass das gefühlt für den Rest des Tages gereicht hätte.

Bunter Alajuela-Schriftzug unter Palmen in Costa Rica

Angekommen in Alajuela: Jetzt beginnt unser Costa-Rica-Abenteuer.

Ein bisschen durch die Stadt laufen, den Kids einen Spielplatz gönnen und langsam ankommen. Viel Verkehr, ziemlich warm und überall etwas zu gucken.

Dann stand die Schnitzeljagd nach Gaskartuschen an. Eine Ferretería nach der anderen, Baumarkt, Decathlon … überall wurden wir freundlich woanders hingeschickt. Am Ende stolperten wir eher zufällig über einen winzigkleinen Outdoorladen. Und siehe da: passende Kartuschen! Man muss nur lange genug suchen und 15 Dollar pro Stück auf den Tisch legen.

Danach noch Eis und Großeinkauf. Und dann erstmal eine Stunde unter dem Supermarktdach warten, weil es draußen schüttete wie aus Eimern. Unser erster Tropenregen – romantisch. Oskar fand’s natürlich super.

Vor 18 Uhr waren die Kinder schon weggepennt. Für uns gab’s noch Pizza zum Abholen. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag rund 60 Kilometer bis zu einem Campingplatz fahren, aber ab Mittag waren Gewitter angesagt. Also Route kürzen und eine feste Unterkunft suchen. Da muss man flexibel bleiben.

Tag 3 – 17 Prozent. Mit Anhänger. Eine Gute Idee.

Endlich raus aus Alajuela und Richtung Westen. Erstmal durch den Stadtverkehr wuseln, dann tatsächlich eine ruhige Nebenstraße mit einem richtigen Radweg. Die Ticos waren erstaunlich rücksichtsvoll: ordentlich Abstand, an Kreuzungen Vorfahrt lassen, winken, hupen und die Knirpse bewundern. Bis hierhin lief das wirklich gut.

Familie mit bepackten Fahrrädern und Kinderanhänger vor der ersten Tour in Costa Rica

Alles startklar für die ersten Kilometer – samt Anhänger und Kindern.

Zwei, drei Rennradler und Mountainbiker haben wir auch gesehen. Allerdings keinen mit Gepäck, geschweige denn mit Hänger. Komisch. 😉

Beladenes Reiserad mit gelbem Kinderanhänger an einem Geländer in tropischer Landschaft

Kurze Pause am Wegesrand – mit beladenem Rad und Kinderanhänger.

Die erste Hälfte ging hauptsächlich bergab. Zum Einrollen echt super. Ein paar Spitzkehren, alles wird immer grüner und langsam so richtig dschungelig. Leider war damit irgendwann Schluss. Zwischen uns und dem nächsten Dorf lag noch die erste kleine Charakterprobe.

Fluss in einer dicht bewachsenen tropischen Schlucht in Costa Rica

Grüne Schlucht und Fluss – dafür lohnen sich die Höhenmeter.

Laut Komoot stellenweise 17 Prozent. Das bedeutet: kleinster Gang, auf den Lenker legen und die Fuhre im Schneckentempo hochpumpen. Mittagshitze, schwül, Sonne knallt senkrecht runter. Puls und Atmung am Anschlag. Ein-, zweimal musste ich mich dann doch kurz ins Gras legen. Schatten und Gummibärchen für die Kinder und mich. Simone brauchte anscheinend keine. 😉

Familie mit bepackten Fahrrädern und Kinderanhängern am Straßenrand in Costa Rica

Kurze Verschnaufpause unterwegs – die nächsten Höhenmeter warten schon.

Komoot kündigte noch einmal so einen Anstieg an. Also ausruhen, trinken, mental auf die nächste Quälerei einstellen. Und dann kam … nix. Den hatten wir wohl schon erledigt. Auch mal schön, wenn Komoot danebenliegt. Und Komoot lag auf dieser Tour noch öfter daneben, meistens aber nicht zu unseren Gunsten.

Also mehr oder weniger entspannt nach Río Grande rollen, im Soda was essen und den Kindern ein Eis kaufen. Anschließend noch Spielplatzpause und ein bisschen Pumpen. Die Unterkunft war nicht mehr weit, und wir hatten tatsächlich etwas ziemlich Cooles gefunden: einen alten Hippiebus zum Übernachten. 🙂

Ach ja, das angekündigte Gewitter, wegen dem wir die Route extra gekürzt hatten? Kam natürlich nicht. Aber gegen 17 Uhr wurde es immerhin langsam etwas kühler.

Tag 4 – Tour de Schwitz, falscher Gipfel und ein 75-Dollar-Pool

Heute: Tour de Schwitz. Nach einem kurzen Frühstück am Hippiebus ging’s Richtung Atenas. Dummerweise lag da ein kleinerer Berg im Weg. Knapp 600 Höhenmeter auf zwölf Kilometer. Klingt normalerweise ganz machbar. Nicht mit unserem Gepäck.

Radfahrerin mit beladenem Fahrrad und Anhänger auf einer Bergstraße in Costa Rica

Unterwegs zwischen grünen Hügeln und ordentlich Höhenmetern.

Bis wir morgens endlich loskamen, hatte es schon 25 Grad. Mein Trikot war nach 20 Minuten komplett gesättigt und dementsprechend klitschnass. Und das blieb es bis nachmittags. Die Rampen waren stellenweise so steil, dass wir mit 3 km/h dahinkrochen. Ich habe zwischendurch geschoben, weil das tatsächlich schneller war. Auf etwa zwei Dritteln gab es ein Päuschen, Wasserflaschen auffüllen und genau ein Eis für alle. Reicht ja. 😉

Selfie eines radelnden Paares mit Helmen vor grüner Berglandschaft in Costa Rica

Geschafft? Zumindest ein Teil der Anstiege – mit guter Aussicht.

Frisch gestärkt in die restlichen Höhenmeter, die natürlich noch ein bisschen steiler waren. Irgendwann dachten wir, wir wären oben. Also Gipfelfoto machen. Nur war das gar nicht der Gipfel. Falsches Gipfelfoto. Also nochmal ordentlich abkotzen, bis endlich die verdiente Abfahrt kam.

Dann rund 800 Höhenmeter bergab. Auch nicht ohne, mit dem ganzen Gewicht. Wir durften mehrmals stoppen, damit die Bremsen nicht komplett zerglühen. Dafür gab es schöne Ausblicke und endlich ein bisschen Fahrtwind.

Unterwegs sahen wir noch einen schönen Campingplatz, unser eigentliches Ziel war aber in San Mateo. Und natürlich lag der Platz auf einer kleinen Anhöhe. So steil, dass wir nur zu zweit ein Rad samt Hänger hochschieben konnten. Dann wieder runterlaufen und das zweite Bike holen. Der finale Tritt in die Eier für den Tag.

Dafür war der Campingplatz mega cool: riesige Wiese direkt am Fluss, Restaurant, kleiner Spielplatz und ein geiler Pool. Wir waren auch die einzigen Camper. Also Zelt aufbauen, durchsiffte Klamotten waschen, duschen und mit den Kindern ab in den Pool. Hatten wir uns ja wohl verdient.

Schwimmbecken zwischen Palmen und tropischen Pflanzen auf einem Campingplatz in Costa Rica

Der Pool am Campingplatz sah definitiv verlockend aus. Bis die Preisfrage kam.

Kaum waren wir drin, kam ein Angestellter. Der Pool gehört zum Hotel. Und wir sind ja nur Camper. Nach viel Hin und Her und einigen sprachlichen Missverständnissen stand dann fest: Tagespass für 75 Dollar. Pro Erwachsenem! Immerhin mit 50 Dollar Restaurantgutschein. Trotzdem ganz schön happig, wenn drei Straßen weiter laut Google ein Schwimmbad mit Rutschenparadies gerade mal 13 Dollar kostet. Da spielt die schwottische Familie Bormone natürlich nicht mit.

Naja, wenigstens waren wir kurz im Pool und alle schon geduscht. Also quasi alles richtig gemacht.

Abends gab’s noch Pizza im Campingplatz-Restaurant. Etwas mehr etepetete, als wir gewohnt sind, aber mega lecker. Oskar war sehr verwundert, dass es ein Buttermesser gibt. Woher soll er das auch kennen, bei seiner trennkostartigen Ernährungsform? Die Kinder waren danach so fertig, dass sie von sich aus in den Hänger wollten. Sensation.

Schlafendes Kind im Familienzelt nach einem Radtourtag in Costa Rica

Nach der Tour de Schwitz: endlich Schlafenszeit im Zelt.

Jetzt liegen wir im Zelt. Hinter uns rauscht der Fluss, im Dschungel klopft anscheinend ein Specht und irgendwo laufen Blattschneiderameisen herum. Die fand ich schon immer cool. Hoffentlich lassen die unser Zelt ganz. Ach ja, es ist immer noch viel zu warm hier drin. Der Tag endet also genauso, wie er angefangen hat: mit Schwitzen.

Tag 5 – Pizza zum Frühstück und endlich Meer

Heute wollten wir endlich ans Meer. Puntarenas war das Ziel. Dummerweise hatten wir am Vortag nichts mehr eingekauft. Also gab’s zum Frühstück erstmal Oskars übrig gebliebene Pizzastücke und zwei klebrige Riegel. Sporternährung vom Feinsten.

Der Tag begann, wie der gestrige aufgehört hatte: steil. Wir mussten ja erstmal wieder aus dem Campingplatz raus. Danach gab’s zum Glück noch ein richtiges Frühstück in einem Soda. Ordentliche lokale Küche als Grundlage für den Tag. Und natürlich Spielplatzaction für die Kids. Dadurch kamen wir allerdings deutlich später los als sonst. Bei den Temperaturen eher so mittel schlau.

Familie mit bepackten Fahrrädern und Kinderanhängern am Straßenrand in Costa Rica

Kurze Pause unterwegs – bevor die nächsten Rampen auf uns warteten.

Anschließend quälten wir uns wieder die steilen Rampen hoch. Simone war eigentlich echt gut drauf, ich dagegen etwas energielos. Trotzdem fiel von ihr mehrmals der Satz: „Wir sind doch verrückt. Ich versteh jetzt, wieso das keiner macht.“ Tja. So ganz unrecht hatte sie nicht.

Aber wir sind hochgekommen. Zur Not eben mit vereinten Kräften schiebend. Zwischendurch gab’s Abkühlung am Fluss und natürlich die obligatorische Eispause. Irgendwann wurde es flacher und wir rollten nach Puntarenas rein. Dort gab es tatsächlich wieder einen Radweg. Und dann endlich: Meer!

Auf dem Campingplatz waren wir mal wieder die einzigen Gäste. Es gab einen Pool und Oskar war so hin und weg, dass ihn das Meer gar nicht interessierte. Prioritäten und so.

Pool am Abend unter Palmen auf dem Campingplatz in Puntarenas

Endlich am Pazifik – der Pool war für die Kinder erstmal interessanter als das Meer.

Dafür gab’s schon die ersten tierischen Mitbewohner. Ein ziemlich großer Leguan, bestimmt einen halben Meter lang, und über uns flogen Papageien. Nach Faultieren halten wir natürlich ständig Ausschau. Bisher ohne Erfolg. Gegen 18 Uhr war es dann auch schon wieder stockdunkel.

Familie beim Abendessen an einem Tisch neben dem Zelt auf einem Campingplatz bei Dunkelheit

Unser Abendessen auf dem Campingplatz: einfach draußen sitzen und den Tag ausklingen lassen.

Fünf Tage unterwegs und endlich am Pazifik. Gefühlt hatten wir schon reichlich Programm für einen ganzen Urlaub. Dabei soll das Ganze noch sieben Wochen so weitergehen. Na dann.

Heavyweight Bikepacking Insights – Was bisher hängen geblieben ist

1. Höhenmeter sind nicht gleich Höhenmeter

600 Höhenmeter auf zwölf Kilometern? Normalerweise nix Wildes. Mit vollem Gepäck, Hänger und tropischer Schwüle aber ziemlich fies. Vor allem die 17-%-Rampen. Also bei der Planung nicht nur auf die Gesamthöhenmeter schauen, sondern auch mal aufs Steigungsprofil. Und das Streckenpensum lieber etwas konservativer ansetzen.

2. Die Ticos sind erstaunlich rücksichtsvoll

Wir hatten vor dem Verkehr schon etwas Respekt. Bisher war das aber wirklich positiv: Die Ticos halten Abstand, lassen uns passieren und finden die Kids im Hänger offenbar ziemlich lustig. Das gilt natürlich nur für unsere bisherigen Erfahrungen und ersetzt kein Aufpassen.

3. Gaskartuschen frühzeitig besorgen

Eine passende Gaskartusche zu finden war eine ziemliche Schnitzeljagd. Ferretería, Baumarkt, Decathlon und am Ende ein winziger Outdoorladen. Wer hier mit Kocher unterwegs ist, kümmert sich am besten direkt am ersten Tag darum.

4. Kurze Etappen planen – und Pausen einrechnen

Mit Kindern kannst du die Etappenplanung ohnehin nur als grobe Empfehlung verstehen. Spielplatz, Eis, Essen, Einkaufen, mal eine halbe Stunde im Schatten sitzen – schon ist der Tag halb rum. Und wenn Komoot dann noch ein paar Rampen eingebaut hat, wird’s sportlich.

5. Bremsen nicht unterschätzen

Bergab ist mit dem ganzen Gespann nicht automatisch entspannt. Bei den 800 Höhenmetern Abfahrt mussten wir immer wieder stoppen, damit die Bremsen nicht zerglühen. Die Bremsanlage sollte also wirklich was taugen – und vor so einer Reise ordentlich gewartet sein.

Fazit – Fünf Tage, reichlich Höhenmeter und ziemlich viel Schweiß

Also: 17 Prozent Steigung mit Hänger ist scheiße, 75 Dollar für ein bisschen Pool irgendwie auch, und ohne Spielplatz geht sowieso nix. Dafür gab’s irre grüne Landschaften, freundliche Leute und Nächte im Zelt, bei denen es selbst um zehn abends noch zu warm war. Eine normale Familienreise wäre vermutlich entspannter. Aber wahrscheinlich auch langweiliger.

Wir sind jedenfalls endlich am Pazifik angekommen. Als Nächstes geht’s mit der Fähre auf die Nicoya-Halbinsel. Da wartet bestimmt wieder irgendein Berg. 😉

Pura Vida!

Mehr über unsere Reise findest du in der Übersicht zu unserer Familien-Radreise durch Costa Rica. Hier geht es weiter mit Teil 2.

Schreibe einen Kommentar