Costa Rica mit Kindern und Fahrrädern – Teil II

Radreise auf Nicoya mit Kindern: Heißer Kaffee und rote Aras

20.–24. Dezember 2025 | Puntarenas – Nicoya – Tambor – Montezuma – Mal País und Santa Teresa

Unsere Radreise durch Costa Rica mit Kindern geht auf der Nicoya-Halbinsel weiter: Mit zwei Fahrrädern und zwei Kinderanhängern fahren wir von Puntarenas mit der Fähre hinüber und über Tambor und Montezuma nach Mal País und Santa Teresa. Nach den ersten Tagen mit 17-%-Rampen, der Tour de Schwitz und einem ziemlich fragwürdigen Poolangebot hatten wir endlich den Pazifik erreicht. Ein bisschen am Meer entlangradeln, exotische Tiere gucken, Weihnachten unter Palmen. Klingt doch entspannt. Natürlich hatten wir uns bei der Planung mal wieder verschätzt.

Tag 6 – Mit der Fähre nach Nicoya. Und Kaffee auf Simones Bein.

Morgens erstmal das Lager in Puntarenas abbauen. Oskar fand das weniger toll, der saß nämlich praktisch bis zur letzten Minute im Pool. Dann ging es zehn relativ flache Kilometer zum Hafen. Welch Luxus! Vor der Fähre gönnten wir uns noch Kaffee aus Costa Rica, Cas-Saft und endlich mal Toast mit Erdbeermarmelade. Draußen schon um die 30 Grad.

Beim Frühstück griff Emil nach einem Becher. Ich reflexartig hinterher. Emil verfehlte den Becher, ich traf die Tasse mit kochend heißem Kaffee – und die ganze Brühe landete auf Simones Bein. Simone sprang schreiend auf: „Heute ist nicht mein Tag!“ Oskar grinste nur: „Heute ist mein Tag!“ und biss in sein Erdbeerbrot. Na wunderbar. Die Cafébesitzerin kam mit Zinksalbe und einem neuen Kaffee. Letzteren hat sie vermutlich nicht einmal berechnet.

Danach endlich Fähre! Albatrosse beobachten, ein bisschen Seeluft und vorwärtskommen, ohne selbst in die Pedale zu treten. Herrlich.

Mit der Fähre auf die Nicoya-Halbinsel
Mit der Fähre auf die Nicoya-Halbinsel

Auf Nicoya mussten wir nur noch ein kurzes Stück radeln und erreichten unseren bisher paradiesischsten Campingplatz. Tropischer Garten, Leguane, neue Freunde für die Knirpse (zwei Hunde auf dem Platz) und eine ziemlich luxuriöse Dschungelküche. Abends gab es Dinosaurierhörbücher und Sterne gucken. Wenn das so weitergeht, kann es ruhig so bleiben.

Unser tropischer Campingplatz auf Nicoya
Unser tropischer Campingplatz auf Nicoya

Tag 7 – Rote Aras, Kokosnüsse und ein Foto für den örtlichen Radclub

Geweckt wurden wir durch ziemliches Gekreische. Ausnahmsweise nicht von Emil oder Oskar. Hoch oben in den Palmen stritten sich zwei rote Aras. Bis wir das Fernglas aus dem Zelt gekramt hatten, waren die beiden natürlich weg. Dafür gab es Hunde zum Kuscheln, zwei Pfauen bei der Platzbesitzerin und ein paar faule Affen in den Bäumen. Die Camping-Dame kam ohnehin ständig vorbei, um die Jungs zu umgarnen. Die Ticos sind wirklich unglaublich kinderlieb.

Affenbesuch in den Bäumen
Affenbesuch in den Bäumen

Unsere Etappe war heute nicht sonderlich wild und der Garten so schön chillig, dass wir nur schwer loskamen. Irgendwann saßen wir aber wieder auf den Rädern. Die Strecke war landschaftlich mega und mittags stoppten wir in einem kleinen Soda am Straßenrand. Eigentlich nur für einen Snack, doch dann kamen wir kaum wieder los.

Ein Soda, bei dem wir am liebsten geblieben wären

Wir wurden total herzlich empfangen. Direkt kaltes Wasser und frisches Obst aus dem Garten: Carambola und Mimbro – letzteres ultrsauer. Dann frische Papaya- und Wassermelonensäfte: Früchte aus dem Garten mit Eis in den Mixer, fertig. Für uns zwei Teller Casado mit Reis, Bohnen, Hähnchen, Salat, Ei und Pommes. Oskar bestellte Hamburger und Pommes, aß aber im Wesentlichen nur das Brötchen. Trennkost konsequent durchgezogen.

Frische Früchte und Saft im Soda
Frische Früchte und Saft im Soda

Die Betreiber waren so begeistert von unserem Gespann, dass sie Fotos für den örtlichen Radclub machten. Die Kinder durften noch die Hühner füttern. Und kaum wollten wir los, wurden noch drei Kokosnüsse direkt vom Baum gepflückt und für uns aufgeschlagen. Bei so viel Gastfreundschaft muss man echt aufpassen, dass man überhaupt nicht gleich da bleibt.

Kokosnüsse frisch vom Baum
Kokosnüsse frisch vom Baum

Danach zurück auf die Straße und ab an den Strand von Tambor. Ziemlich schwarzer Vulkansand, dunkles Wasser, glückliche Kinder. Emil und ich wurden von der ersten Welle gleich mal ordentlich erwischt und sind abgesoffen. Danach waren wir alle reif für eine Dusche. Zum Glück lag der Campingplatz dicht am Strand.

Schwarzer Vulkansand am Strand von Tambor
Auf nach Tambor

Tag 8 – Mit Kinderanhängern nach Montezuma: Komoot glättet, wir schieben.

Morgens erstmal zum Strand, Sonnenaufgang anschauen, während die beiden Räuber noch schlafen. Beim Frühstück entdeckten wir wieder zwei Aras, diesmal kamen wir sogar mit dem Fernglas hinterher.

Rote Aras hoch in den Bäumen
Rote Aras hoch in den Bäumen

Dann ging es Richtung Montezuma. Laut Komoot erst bergauf, dann 13 Kilometer kontinuierlicher Anstieg und schließlich eine Abfahrt. Leider glättet Komoot offenbar jede kleine Senke und jede fiese Rampe aus dem Profil. In echt wechselten wir praktisch permanent zwischen erstem und letztem Gang. Mit voll beladenen Rädern und Anhängern ist das weniger lustig als es klingt.

Endlich Dreck!

Zum ersten Mal mussten wir die asphaltierte Straße verlassen. Endlich Gravel! Teilweise allerdings ziemlich ausgewaschen, grob und steil. Es wurde also wieder geschoben. Dafür war die Landschaft super: Palmen, Dschungel und tolle Ausblicke.

Gravelpiste auf unserer Radreise Richtung Montezuma auf Nicoya
Endlich Dreck unter den Reifen
Fahrrad mit Kinderanhänger auf einer Schiebepassage Richtung Montezuma
Schiebepassage auf dem Weg nach Montezuma

In Montezuma gab es ein Restaurant direkt am Wasser, einen geilen Ananas-Shake und Eis für die Kids.

Oskar und Papa beim Ananas-Shot in Montezuma, Costa Rica
Ananas-Shot für Oskar – kleine Stärkung in Montezuma.

Der Campingplatz lag fünf Kilometer Staubpiste weiter, herrlich abgelegen direkt am Meer. Wir hätten das Zelt quasi fünf große Schritte vom Wasser aufstellen können. Aber dann könnten die Kinder auch fünf große Schritte zum Wasser machen. Also lieber ein paar Palmen dazwischen.

Als es dunkel wurde, krabbelten Tausende Krebse Richtung Meer. Und ein Kanadier auf dem Platz erzählte uns, er sei heute von Mal País gekommen. Das war die schlimmste Strecke, die er hier bisher gefahren sei. Prima. Da wollten wir morgen hin.

Nächtliche Besucher am Campingplatz
Nächtliche Besucher am Campingplatz

Tag 9 – Von Montezuma nach Mal País: Der Kanadier hat übertrieben. Leider nicht.

Zum Wellenrauschen kam nachts plötzlich ein Tröpfeln. Dann fing es richtig an zu schütten. Das Zelt war wegen der Hitze noch offen, die Taschen zum Glück schon zu – wegen der Affen. Also Zelt schließen, weiterschlafen. Den schönen Sonnenaufgang haben wir diesmal verschlafen. Wenn die Kinder mal länger als bis fünf schlafen, nutzt man das aus.

Beim Frühstück setzte sich der 69-jährige radelnde Kanadier noch auf einen Kaffee dazu. Neben uns campten außerdem Deutsche mit einem 35 Jahre alten Land Rover Defender samt Hubdach. Der Besitzer war damit vor Jahrzehnten durch Afrika gefahren und jetzt von Kanada Richtung Südamerika unterwegs. Beste Aussteiger-Gesellschaft. Ein Äffchen tauchte am Müll auf.

Wir versuchten Oskar zu motivieren sich den Affen anzugucken. Oskar: „Ich hab den Affen schon gesehen.“ Dann hörte er weiter Dino-Hörbuch. Prioritäten.

Zu essen gab’s Kekse für die Kinder, kalte Nudeln vom Vorabend und einen Marmeladentoast. Also optimal gestärkt. Anfangs rollte es noch auf flachem Gravel, Oskar saß vorne auf dem Shotgun. Und dann kamen die Rampen.

Staub oder Matsch, steil oder noch steiler. Stellenweise ging gar nichts mehr fahrend. Oskar lief die meisten Anstiege tapfer hoch – immerhin fast 20 Kilo weniger, die ich schieben musste. Simone und ich mussten teilweise gemeinsam ein Gespann hochwuchten, zurücklaufen und das zweite holen. Die Ticos hielten mit Jeeps und Quads an und boten Hilfe an. Wir lehnten freundlich ab. Warum? Keine Ahnung. Wir wollten es halt aus eigener Kraft schaffen – Type 2 Fun.

Mone versucht sich an der ersten Steilrampe
Mone versucht sich an der ersten Steilrampe

Dazu kamen drei kleinere Flussquerungen. Dank Trockenzeit zum Glück nicht kritisch, mit unserem Fuhrpark aber trotzdem ein bisschen Abenteuer. Und auch noch ein Nasenbär! (Leider ohne Foto, zu langsam gewesen)

Palmen am Pazifik
Tropische Abendstimmung statt weiterer Höhenmeter.

Irgendwann waren wir tatsächlich in Mal País und bezogen für zwei Nächte ein Yoga- und Surferhotel mit Pool. Weihnachten stand schließlich vor der Tür. Die Hängematte wurde natürlich sofort zur Schaukel. Glückseelig schaukelter er hin und her – bis er herausfiel. Große Aufregung, Erste-Hilfe-Set testen. Cut an der Stirn kleben. Zum Glück nichts Dramatisches. Danach schliefen die beiden Stinker selig.

Selfie mit Oskar auf dem Fahrrad
Die Heavyweight-Bikepacking-Crew unterwegs.

Tag 10 – Heiligabend unter Palmen in Santa Teresa

Weihnachten in Costa Rica. Statt Glühwein und Tannenbaum gab es Palmen, Surfer und ordentlich Hitze. Wir machten uns gemütlich auf ins benachbarte Santa Teresa. Überall Surfshops, Cafés, Bars, Hostels und Restaurants. Deutlich touristischer und europäischer als die bisherigen Orte. Und es roch eigentlich ständig und überall nach Gras.

Wir beließen es bei Eis, Smoothies und einer Powerfood-Bowl. Powerfood für Powerpeople. Danach ging es an den Strand und ins Meer. Wellen, Sand und müde Kinder – herrlich. Der Sonnenuntergang war richtig schön, das Familienfoto mit zwei Knirpsen eher eine sportliche Herausforderung. Auf dem Heimweg schliefen die beiden schon ein. Die nächste Herausforderung war den feinen Sand aus jeder denkbaren Körperfalte bekommen.

Weihnachten unter Palmen
Weihnachten unter Palmen

Radreise auf Nicoya mit Kindern: Unsere Erfahrungen und Tipps

1. Kurze Etappe heißt nicht leichte Etappe

Gerade die kurzen, steilen Rampen tauchen in Höhenprofilen oft kaum auf. Mit Anhängern sind sie trotzdem echte Charakterproben.

2. Gravel ist geil. Außer man muss alles schieben.

Ausgewaschene Staubpisten, Matsch und grober Schotter machen aus einer entspannten Tour schnell ein Ganzkörperworkout. Manchmal müssen wir beide Gespanne einzeln hochschieben.

3. Die Kinder sind unsere Eintrittskarte zu den Menschen

Ob Campingplatz oder Soda: Emil und Oskar werden überall angesprochen, bekommen Obst, dürfen Tiere füttern oder finden neue Freunde. Das sind die Begegnungen, für die wir unterwegs sind.

4. Die schönsten Pausen stehen in keinem Tourenplan

Aus einem schnellen Snack wurden frische Fruchtsäfte, ein richtiges Essen, ein Foto für den örtlichen Radclub und drei Kokosnüsse direkt vom Baum. Herrlich.

5. Ein bisschen Luxus zwischendurch ist erlaubt

Nach Zelt, Staub, Matsch und Schieben mal zwei Nächte im Hotel mit Pool? Nehmen wir. Heavyweight Bikepacking bedeutet schließlich nicht, dass man grundsätzlich leiden muss.

Fazit – Nicoya ist der Hammer.

Rote Aras, Affen, Leguane, Nasenbären, unglaublich herzliche Menschen und tolle Strände. Dazu jede Menge Staub, Matsch, steile Rampen und reichlich Schieberei. Trotzdem würden wir die Etappe wohl wieder fahren. Vielleicht.

Weihnachten am Meer war jedenfalls eine tolle Erfahrung. Die Kids glücklich, wir zwischendurch auch mal entspannt – und das ganze Unternehmen Family Bikepacking funktioniert trotz aller Verrücktheit erstaunlich gut. Aber ansonsten hätten wir ja nichts zu erzählen. Pura Vida!

Weiter geht’s in Teil 3: Weihnachtsgeschenke, Strand-Gravel, Flussquerungen und die erste größere Materialschlacht auf Nicoya.

Mehr über unsere Reise mit zwei Kindern und zwei Kinderanhängern findest du in der Übersicht zu unserer Familien-Radreise durch Costa Rica.

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